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Bürger-Weblog - Archiv vom 05.09.05

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Montag, 05.09.2005

Bild von Christian Meyer, Rechte: WDR

Herausforderung endete in Lehrstunde

Das TV Duell am gestrigen Sonntag rundete das Bild ab, wie beide Kandidaten in der Öffentlichkeit auftreten und wahrgenommen werden. Nach einem relativ harmlosen Eingangsdialog wurde ziemlich schnell offenbar, dass Gerhard Schröder die größere politische Praxis besitzt. Zudem ließ er niemals Zweifel an seiner Medienkompetenz. Während Schröder einen selbstsicheren und souveränen Eindruck hinterließ und nur einmal kurz ins Straucheln geriet, verfing sich Angela Merkel viel zu oft im Kleinklein und ließ sich von Schröder sowohl das Gespräch diktieren. Anstatt zu agieren und anzugreifen, musste sie sich immer öfter verteidigen und erklären.

Dabei fiel auf, dass Angela Merkel Zusammenhänge oft nur vage klar sind. Gebetsmühlenartig wurden immer wieder die Slogans von 1.000 Arbeitslosen am Tag und sieben Jahre Rot-Grün wiederholt. Geschickt lenkte der Kanzler die Gespräche auf die Themen, bei denen er Erfolge verzeichnen konnte oder wo diese unmittelbar bevorstehen. Die Moderatoren machten während der gesamten Sendezeit keinen guten Eindruck und ließen sich zu oft den Dirigentenstab von dem geübten Medienkanzler aus der Hand nehmen. Ein zwei energisch Worte hätten da sicherlich für Ordnung gesorgt. Peinlich war dabei ebenfalls die Frage nach der Äußerung von Schröders Frau, welche bekanntermaßen selbst Journalistin ist und demzufolge auch eine eigene Meinung hat.

Gerhard Schröder umriss die Ziele der SPD sehr genau, zeigte auch in den Zwiegesprächen, dass er etwas von seinem Amt versteht und zeigte sowohl die Wissenlücken von Frau Merkel auf, als auch die Unstimmigkeiten in der Programmatik der CDU. Mit jeder Äußerung zeigte er, dass er es ernst meint, sich auch mit mancher Entscheidung schwer tut, aber die Probleme lösen will.

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Bild von Dirk Temming, Rechte: WDR

Ehrlicher wäre besser...

Was soll man dazu sagen? Es stehen zwei erwachsene Menschen vor der Kamera, um der Nation die Zukunft zu erklären und Wege aus der Krise aufzuzeigen - und was passiert? Wir erleben einen ernüchterten Kanzler mit Resignierungserscheinungen und eine Kanzlerkandidatin, die angebliche Visionen aus der Kohl-Ära - gut wiederverwertet - neu verkaufen und unsere sozialen Fundamente aus den Angeln heben will- so zumindest erscheint das TV-Duell bei oberflächlicher Betrachtung.

Zuschauer verfolgen TV-Duell (Rechte: dpa)Auf den zweiten Blick und bei genauerer Betrachtung sehen wir jedoch: Es gibt gute Ansätze, zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt. Wenn hier die Flexibilitätsreformen der Union mit den Arbeitnehmerrechten, wie von der SPD gefordet, vereinbart werden würden, könnte sich tatsächlich etwas zum Positiven ändern. Dieser Sachverhalt ist exemplarisch für das gesamte Duell- anstatt seine persönlichen machtpolitischen Interessen möglichst gut durchsetzen zu wollen, hätte ein Anerkennen von besseren Vorschlägen der anderen Seite in
Verbindung mit weniger persönlichen Anfeindungen, sondern konstruktiver Kritik den einfachen Bürger am ehesten überzeugt.
Derjenige, der so ehrlich gewesen wäre hätte sicher keine Wählerstimmen verloren...

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toll dixie

timmy am 05.09.05 15:58

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Bild von Lupita Gómez, Rechte: WDR

Und was sagen die Sekundanten?

...oder die Hoffnung ist grün.

Im roten Foyer eines Berliner Kinos: Zahlreiche Menschen, die das 'heiß ersehnte' TV-Duell gemeinsam verfolgen und diskutieren wollen, unter ihnen etliche Grünen-Mitstreiter. Eines gleich vorneweg: Was großen Beifall erhielt, war Schröders lakonischer Kommentar: "Also viel Spass mit Herrn Stoiber, wenn es um's Geld geht" - der bayrische Ministerpräsident eignet sich nach wie vor für heitere Bemerkungen.

Skizzenhafte Darstellung Schröder und Merkel in Monitor (Rechte: Gómez/WDR)

Manch anderer Schlagabtausch wird ebenfalls mit Gelächter quittiert, ein Kommentar ausgebuht, als es um das von Angela Merkel prognostizierte Ende der jetzigen Bundesregierung geht. Ein Thema, bei dem Bundeskanzler Schröder an anderer Stelle kurz ins Straucheln kommt, als er selbst vom "Ende" spricht und nicht sofort weiß, wie er dies zeitlich unverfänglich definieren soll - dieses Mal findet es kein Echo.

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Bild von Frank Hamm, Rechte: WDR

TV-Duell: Prädikat "Nicht besonders wertvoll"

Die Republik wartete auf das TV-Duell der Giganten. Ich auch. So bereitete ich mich also vor dem Duell auf das Duell vor und legte Papier und Stifte bereit. "Bereit, wenn Sie es sind?" - Nein, ich bin nervös. Wie wertvoll wird das TV-Duell für mich sein (Konkretes, Neues)? Lohnt es sich, darüber zu schreiben? Wer ist der Verlierer?

Schon mal vorab: Der große Verlierer des TV-Duells ist für mich ... Peter Kloeppel. Im Laufe des Duells zitiert der RTL-Moderator eine politischen Aussage der Kanzlerfrau und greift Schröder deswegen an ("weil sie sich in die Politik einmischt"). Ich finde diesen Angriff absolut unangemessen. Schröder auch.

TV-Bildschirme zeigen Merke und Schröder während des TV-Duells (Rechte: dpa)

Ich schalte ein. Es gibt ein kurzes Vorgeplänkel mit drei Journalisten, die nach dem Duell nochmals zu Wort kommen(tieren) sollen. Eine kurze Schaltung nach Erfurt zum Wahlbus und dann ein paar Zahlen von der Forschungsgruppe Wahlen. 39 Prozent der eigentlich Uninteressierten wollen sich das Interview ansehen. Das finde ich bemerkenswert, gut.

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