Dienstag, 06.09.2005
Die Macht der Bilder
... oder: Wie objektiv sind unsere Medien?
Das ließ mich aufhören: "Bei einem Redaktionsgespräch im vergangenen Jahr haben mir einige Redakteure ganz unverblümt erklärt, dass sie darauf aus seien, die aktuelle Regierung 'wegzuschreiben' und dass ich als Sympathieträgerin von Rot-Grün ihnen dabei im Wege stehe. Deswegen werde man, obwohl ich ja klug und sympathisch sei, nicht positiv über mich berichten."
Soweit Gesine Schwan, die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder in ihrer
Rede zum 60-jährigen Bestehen der "Frankfurter Rundschau". "Eine Regierung wegschreiben" - ein gewisser Aha-Effekt setzt bei mir ein und damit auch mein "Mittellangzeit"-Bild-Gedächtnis...
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Ich komme um das Gefühl nicht herum, dass eben dieses Wegschreiben in den Medien tatsächlich angesagt ist. Die Reaktionen auf das Fernsehduell sind dabei bezeichnend. Da wird Merkel nur deswegen zur Siegerin erklärt weil sie nicht bodenlos versagt hat (was ich von einer Kanzlerkandidatin auch nicht erwartet hätte). Im gleichen Atemzug stellen die Zeitungen eigentlich regelmäßig fest, dass die CDU keine Patentlösungen hat, sehr wenig klare Aussagen trifft (was insbesondere für eine Opposition schwach ist)aber dies immer noch besser sei als Rot-Grün. Dieses Projekt sei nämlich gescheitert. Kurz um: Die CDU ist deshalb die bessere Wahl weil sie womöglich auch nicht schlechter als die SPD ist. Eigentümliche Logik.
Jan Winkelmann
am 08.09.05 12:38
Sehr geehrter Herr Winkelmann,
ich habe der Presse vernommen, dass Gerhard Schröder zum Sieger "gekürt" wurde. Nichtsdestotrotz konnte ich heute einen Abgesang auf ihn lesen, z.B. in der Berliner Zeitung (Holger Schmale, 08.09.05): "Es ist der Moment, in dem Gerhard Schröder zum letzten Mal als Bundeskanzler zu einer Rede im Parlament anhebt."
Das, ehrlich gesagt, widerspricht für mich einer sachlichen Berichterstattung.
Lupita
am 08.09.05 21:23
Keine Aufregung vor der Wahl
Gerade komme ich vom Einkaufen. Nicht so wichtig. Davor war ich noch bei meiner Friseurin. Ganz wichtig. Denn wo sonst, dachte ich mir, spürt man den Puls der Zeit?
"Ganz ruhig und unverfänglich bleiben!" sage ich mir. Ich konzentriere mich und poltere los: "Sind Sie denn schon nervös vor der Wahl, so richtig aufgeregt?" Keine Antwort. Zumindest keine, die zu hören ist. Aber das ist der Vorteil beim Friseur: Direkt vor mir hängt ein großer Spiegel und ich sehe ihre Augen, die sie vielsagend verdreht.
"Noch ein weiterer Versuch", denke ich mir, und irgendwie bringt sie das Gespräch auf das TV-Duell. Ob ich es wohl gesehen hätte? Ich bejahe und kurz darauf bekomme ich einen Kommentar: "Die lügen sich doch selbst ... Das muss ich mir doch nicht anhören."
Also warum aufgeregt sein?
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Gewerkschaften auf dem Weg zur Tradition?
Lange Zeit wurde behauptet, dass es bei dieser Wahl seitens der Gewerkschaften keine Wahlempfehlung zugunsten einer Partei geben wird. Bei der gegenwärtigen Stimmung in Deutschland fürchtete man sich sicher vor einer schädlichen Polarisierung und weiteren Austritten.
Jetzt, zwei Wochen vor der Wahl, stellt man aber fest, dass Schröder auch mit dem TV-Duell keine Trendwende bewirken konnte. Genau in dieser Feststellung wird nun erkannt, dass die Programme von CDU/CSU und FDP keine Verbesserung für Arbeitnehmer bedeuten. Desweiteren wird eine Beschneidung der gewerkschaftlichen Einflüsse befürchtet.
Schon in der letzten Woche begannen einige Gewerkschafter, über eine Unterstützung der Linkspartei nachzudenken. Um die gegenwärtigen Trends umzudrehen, hätte aber auch in den Gewerkschaften eher ein Umdenken einsetzen müssen. Zu lange wurden neue Ideen kategorisch abgelehnt und alte Verbündete verprellt.
Der schwindende Einfluss der Gewerkschaften bedeutet einen Verlust an Verhandlungsmasse der Arbeitnehmer insgesamt. Nichtsdestotrotz wurde zu lange an alten Werten festgehalten, welche absolut nicht mehr zeitgemäß sind.
Modelle wie bei Opel zeigen, dass auch mit unkonventionellen und neuen Wegen Arbeitsplätze gerettet werden können. Gerade im Osten zeigt sich, dass über eben diesen Weg auch Arbeitsplätze geschaffen werden können.
Die Rückbesinnung auf die alten Verbindungen sind ein Schritt in die richtige Richtung. Gewerkschaften werden nie erwarten können, dass eine konservative Regierung mit liberaler Beteiligung besonders großen Wert auf die Erhaltung der Arbeitnehmerrechte legt. Viel wichtiger ist aber, dass die Gewerkschaften wieder die Menschen erreichen, die sie viel zu lange allein gelassen haben. Erst dann können wieder Wahlempfehlungen abgegeben werden, die auch Wirkung zeigen.
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"...Nichtsdestotrotz wurde zu lange an alten Werten festgehalten, welche absolut nicht mehr zeitgemäß sind. ..."
Welche Werte sind gemeint? Ich finde, dass nicht das Festhalten an Werten, die erst mal hart erkämpft werden mussten, das Problem ist. Sondern die Selbstbedienungsmentalität und die vielen Affären der Gewerkschaftsbosse (vgl. VW -Hartz, Gebauer, usw.-)
Mag
am 06.09.05 17:33
Lieber Christian Meyer,
meine Frage ist, wer zählt zu den "alten Verbindungen"? Ist damit die Linkspartei gemeint?
Lupita
am 08.09.05 00:25
Sicher, es müßte eine Anti-Korruptionskommission geben, der gläserne Abgeordnete oder Manager wäre auch sehr erwünscht, schließlich weiß der Staat über jeden einzelnen von uns mehr, als uns lieb sein kann, warum den Spieß nicht einfach umdrehen ! Und Leute, die lügen, wie Angela Merkel, -die entgegen ihrem Wahlprogramm Aussagen und Versprechungen macht, die diesem widersprechen-, sollte man gar nicht erst die Chance geben, ihre Machtbesessenheit an uns auszuprobieren, da dann eh Stoiber über uns walten wird, was doch nicht das Ziel von uns Bürgern & Menschen sein darf, oder ? Wie gesagt, eine Special-Force gegen Korruption, vor allem in hochrangigen Posten, ist die einzig brauchbare Lösung, und hier sollte der Lauschangriff auch unbedingt zugelassen werden, um den Sumpf der Korruption endlich trockenzulegen, der dieses Land in eine Bananenrepublik, was natürlich niemand zugeben möchte, verwandelt hat ! Und diese widerlichen Lobbyisten sollten alle an die Wand gestellt werden PUNKT ! Soweit meine Meinung, die jeder vernünftig denkende Mensch auch als seine eigene akzeptieren sollte, aber wir wissen ja alle, dass Gott nur begrenzt Hirn vom Himmel werfen konnte, und einige sind dabei scheinbar leer ausgegangen ! Ich will jetzt nicht weiter darauf eingehen, das würde den Rahmen dieses Textfeldes sprengen, nehme ich doch an ? Gute Nacht und: POWER TO THE ONE WHO DOESN'T WANT IT !!!!!!!!!!!!!!!!!!!! So, wenn ihr das nicht druckt, dann seid ihr echt ziemlich langweilig, sach ich jetzt mal ;)
Dave
am 08.09.05 01:56
Hallo Mag,
ich kann mich an Diskussionen in den 90gern erinnern, als z.Bsp. Flexibilisierung verteufelt wurde ohne über die Chancen nachzudenken. Mittlerweile wird dieser Weg auch gemeinsam mit den Gewerkschaften bestritten. Es geht nicht darum die Erfolge zu beseitigen, aber bestimmte Erfolge stehen zur Disposition wenn zu starr auf dem Bestehenden beharrt wird. Stillstand bedeutet schon immer Rückschritt.
Liebe Lupita,
bei den alten Verbindungen denke ich weniger an die Linkspartei als an die SPD. Die Linkspartei ist sicher auf dem Weg eine linke Alternative zu werden, die es in jedem Land zurecht gibt. Nicht nur deshalb suchen Gewerkschaftsbosse auch mit der Linkspartei das Gespräch.
Christian Meyer
am 08.09.05 10:35
Die Gewerkschaften haben lange auf in guten Zeiten zu Recht erkämpfte Werte bestanden. Inzwischen aber hat sich die Umgebung geändert (u.a. Globalisierung) und das Bestehen wurde zu einem Beharren. Die Gewerkschaften waren zuletzt die reaktionären Kräfte, jetzt werden sie wieder progressiver und aktiver.
Aber das liegt nicht an den führenden Gewerkschaftsbossen sondern am Druck von unten. Und der Fortschritt ist ganz schön zäh. Aber auch als Arbeitgeber sind sie nicht unbedingt Musterknaben - ein trauriger Höhepunkt war für mich 1989 der Skandal um die co op AG als Tausende ihren Job verloren.
Frank Hamm
am 08.09.05 14:18
Die Macht der Repräsentativen
Vor dem TV-Duell hörte ich mir ein paar Zahlen eines Wahlforschungsinstituts an. Nach dem Duell ging es weiter mit Zahlen. Kein Tag vergeht in unserer Republik, an dem wir nicht von irgendwelchen Prozentzahlen überschüttet werden. Je näher wir dem Wahltag kommen, desto näher liegen diese Zahlen am tatsächlichen Ergebnis. Weil ein paar hundert oder tausend Repräsentative befragt werden.
Gebannt schauen wir am Wahltag nach Schließung der Wahllokale auf die Zahlen und wissen lange vor dem amtlichen Endergebnis, wer der Sieger ist. Mit der Befragung von wenigen Repräsentativen gelingt eine immer verlässlichere Voraussage des Wahlausgang. Irgendwann wird es keine Abweichung mehr zu dem tatsächlichen Wahlausgang geben. Warum nicht einen Schritt weitergehen? Lassen wir den Aufwand und das ganze Tamtam mit dem Wahlkampf für alle, mit der Wahl für alle. Lassen wir die Repräsentativen wählen!
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Ich fände das System nur dann akzeptabel, wenn ich Repräsentant wäre. ;-)
repräsentant
am 06.09.05 12:57
Nach reiflicher und intensiver Überlegung kann ich diesem Gedanken aus tiefstem Herzen zustimmen ... wenn ich Repräsentant werden würde :-))
Im Übrigen können wir uns auch bei den Wahlen abwechseln. Manchmal müssen wir noch nicht mal 4 Jahre warten, und dann sind da noch die Landtagswahlen. Das Repräsentantensystem ist sicherlich ausbaufähig :-)
Frank Hamm
am 06.09.05 18:41
Die beste aller Ehefrauen hat meinem Gedächtnis auf die Sprünge geholfen. Es war eine 20-seitige Erzählung aus dem Jahr 1955 von Isaac Asimov "Franchise" ("Wahltag im Jahre 2008"). Der Supercomputer Multivac errechnet den einzigen Repräsentativen. Der darf dann plötzlich nicht über die Kandidaten abstimmen, sondern nur einige Fragen des Rechnergehirns beantworten...
Frank
am 10.09.05 12:16
Pitbull Trittin
...oder eine Stunde in Kampfeslaune
Der Grünen-Direktkandidat im Berliner Bezirk Pankow Werner Schulz hat Montag Abend in seinen Grünen Salon in der Kulturbrauerei zwischen Maschinenhaus und Fassbier-Ladehalle geladen. Zu Gast: Jürgen Trittin.

Zunächst hält Gastgeber Werner Schulz eine Rede, sympathisch, engagiert - aber sie wird, nach dem Gewitter, was nun folgt - fast vergessen sein.
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