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Bürger-Weblog - Archiv vom 07.09.05

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Mittwoch, 07.09.2005

Bild von Christian Meyer, Rechte: WDR

Pendlerpauschale

Der Ost-Ministerpräsident Dieter Althaus erfuhr gerade aus dem Osten sehr große Kritik für die Abschaffung der Pendlerpauschale. Auch von mir erhielt er einen Brief, der sich aber eher auf die unsinnige Differenzierung der Verkehrsmittel bezog. Kosten für den Weg auf Arbeit sind nunmal immer Kosten.

Nach ein wenig Überlegung stellte ich aber folgendes fest: Gerade Geringverdiener haben so gut wie gar nichts von der Pendlerpauschale, da sie ja fast keine Steuern zahlen. Damit sind nicht die Geringverdiener Nutznießer der Pendlerpauschale, sondern gerade die, die viele Steuern abzuführen haben, also Besserverdienende. Wenn man es so sieht, macht es dann auch Sinn, diese Pauschale abzuschaffen. Da aber im gleichen Atemzug von Mehrwertsteuererhöhungen gesprochen wird, kann sich der deutsche Michel so oder so auf ein geringeres effektives Einkommen einrichten.

Abseits dieser Diskussion darf man aber einen anderen Part der Äußerung nicht außer Acht lassen. Ziel soll sein, dass durch die Abschaffung gerade Ostdeutsche möglichst vom Pendeln abgehalten werden und in ihrer Heimat arbeiten. Das wollen dort sicher die meisten, nur leider fehlen dort die Stellen, und es darf bezweifelt werden, dass diese durch den Wegfall der Pendlerpauschale geschaffen werden.

Es ist eher davon auszugehen, dass die Betroffenen - wie eben auch ich - in die entsprechenden Städte umziehen und damit Steuereinnahmen in den entsprechenden Kommunen und Ländern vollends wegfallen.

Arbeit entsteht nicht, indem man die Leute versucht in strukturschwachen Gebieten festzusetzen, sondern diese Gebiete so fördert, dass die Menschen dort Arbeit finden oder schaffen. Dann stellt sich auch die Frage der Fernpendler nicht mehr.

Fazit ist, dass die Pendlerpauschale in der derzeitigen Form nicht jeden Pendler gleich entlastet. Das sollte auf jeden Fall abgestellt werden. Weiterhin sollte aber auch darauf hingearbeitet werden, dass Menschen möglichst nah an ihrem Lebensmittelpunkt arbeiten können.

Weitere Verweise zu Pendlerpauschale

Kommentare zum Eintrag Pendlerpauschale

Bravo, Ihr Beitrag ist der beste Beleg dafür, wie eine einfache Regelung verkompliziert werden kann. Die Pendlerpauschale führt zu unterschiedlichen Auswirkungen und begünstigt den, der besser verdient, schreiben Sie. Das sei ungerecht und da müsse was geändert werden. Frage, wie soll das geschehen? Durch Sonderbestimmungen und dezidierte Regelungen? Und schon sind wir wieder auf dem Weg zur Einzelfallentscheidung, die irgendwo in Paragraphen- Verordnungen und Richtlinienform gegossen werden. Jetzt werden Sie mir vorwerfen, dass ich Ihre Meinung im Zusammenhang mit den anderen Aussagen ( Förderung strukturschwacher Gegenden ) sehen muss. Nur in zwei oder drei Jahren wirft die Opposition nur noch den Paragraphen mit der Pendlerpauschale in den Ring und verweist auf unzulässige Steuersubvention. Man kann das beliebig erweitern. Den Arbeitnehmern, die arbeitslos geworden sind, hat man vorgeworfen,sie seien zu bequem und nicht mobil und flexibel genug. Ich hab mit 50 Jahren einen Job in einer Nachbarstadt angenommen, bei dem ich nachts und an Sonn- und Feiertagen arbeite. Das heist, ich hab flexibel auf die Notwendigkeit des Arbeitsmarktes reagiert. Weil die Nachtschicht um halb vier endet besteht keinerlei Möglichkeit, mit dem ÖVP nachhause zu kommen. Also musste ich mir dafür ein Auto zulegen. Und jetzt erzählt mir bitte, dass das eine ungerechtfertigte Subvention ist, wenn ich die Pendlerpauschale in Anspruch nehme. Bei den Benzinpreisen fahre ich nicht mehr just for fun.

Werner Klotz am 08.09.05 09:43

Hallo Herr Klotz, in meinem Beitrag stand nichts davon, dass es schlecht ist, dass eine Pendlerpauschale in Anspruch genommen wird. Ich tue das ja selbst. Vielmehr empfinde ich es als ungerecht, dass diese nicht absolut nach Kilometern gezahlt wird, sondern mit verkomplizierten Schlüsseln von dem steuerpflichtigen Einkommen abgezogen wird. Fänden Sie es nicht auch besser, wenn jeder die gleiche Summe für die gleiche Strecke bekommt und dass dies nicht einkommensabhängig ist? Dann gäbe es auch keine Ausnahmeregelungen.

Christian Meyer am 08.09.05 10:25

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Bild von Frank Hamm, Rechte: WDR

Wen kann ich nur wählen?

Welche Parteien sind im Bundesgebiet zur Bundestagswahl am 18. September 2005 zugelassen? Welche Parteien und welche Kandidaten kann ich in meinem Wahlkreis wählen?

Es soll was "Offizielles" sein, also nicht "irgendeine" Liste im Netz. Nach einem ersten vergeblichen Versuch mit einer Suchmaschine gehe ich auf die Wikipedia Seite Bundestagswahl. Dort finde ich Hinweise auf www.bundestag.de und www.bundeswahlleiter.de.

Bundeswahlleiter? Klingt gut. Die Website ist zwar nicht groß, und die Seiten sind auch nicht sehr voll, aber irgendwie wirkt das Ganze sehr behördenmäßig und daher systemimmanent unverständlich. Irgendwann beginne ich zu verstehen, dass mit "Wahlbewerber" nicht diejenigen gemeint sind, die sich für die Teilnahme an der Wahl beworben haben. Sondern diejenigen, die sich jetzt bei mir um meine Stimme bewerben.

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Kommentare zum Eintrag Wen kann ich nur wählen?

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Bild von Uwe Richert, Rechte: WDR

Fehler im System

Wenn wir krank sind, gehen wir zum Arzt. Gesundheit ist uns "angeboren", und so befassen wir uns nur damit, wenn wir krank sind. Die gleiche Einstellung haben wir zur Politik. Wir gehen wählen und überlassen das Übrige den Damen und Herren in Berlin. Doch langsam rächt sich unsere bequeme Haltung zur Politik.

Jeden Tag eine neue Schreckensmeldung. Die Menschen sind verunsichert und ihr persönliches Glück wurde zum Spielball der Politik. Die Politiker aller Fraktionen schrecken vor nichts mehr zurück, schüren die Ängste der Bürger. Sie zerreißen sich gegenseitig in ihrem Streben nach Macht und Geld.

Den Schaden den sie dabei anrichten, auch außenpolitisch, ist nicht unbeträchtlich. Immer mehr Menschen in Deutschland spüren, dass sie nicht mehr so sorglos leben können und sie den Politikern nicht mehr unkontrolliert ihr Vertrauen schenken dürfen. Immer mehr Menschen fragen sich auch, ob unsere Form der Demokratie in der Praxis richtig funktioniert.

Der Bürger fragt sich vor der Wahl, wie wird die übertragene Macht genutzt? Die am Anfang des Jahres noch hitzig geführte Debatte über die Nebeneinkünfte der Politiker war nur ein Versuch, "Licht ins Dunkel" zu bringen. Ein Versuch, schleichende oder verdeckte "legale" Korruption im Lande aufzudecken.

Vor diesem Hintergrund, findet nun die vorgezogene Wahl statt. Eine Wende ist dringend erforderlich. Es scheint, als stehe Deutschland vor einer seiner folgenreichsten Entscheidungen. Die Wähler, aber auch die Nichtwähler entscheiden, wählen verschiedene Szenarien, wägen ab zwischen verschiedene Übel. Doch wenn sich wirklich etwas ändern soll, sollte nach den Fehlern im System geforscht werden. Institute wie der Bund der Steuerzahler oder der Bundesrechnungshof, welche in ihren Jahresberichten seit Jahren über verfehlte Investitionen bis hin zur Verschwendung anprangern, sollten mehr Beachtung finden. Die Kontrollinstrumente und eine daraus resultierende Sanktionierung sollten konsequent genutzt werden.

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Kommentare zum Eintrag Fehler im System

Vielleicht sollte sich jede/r als PolitikerIn begreifen und auch einen Anteil der Verantwortung am Gemeinwohl übernehmen. Politik fängt in der Gemeinde, im Kindergarten, in der Schule und ... an. Es stimmt, das viel zu wenig Menschen sich für die Gemeinschaft engagieren. Wenn jede eine PolitikerIn wäre, könnte niemand mehr auf die selben schimpfen und wir hätten sicherlich weit mehr Demokratie als jetzt!

Jürgen Fillies am 08.09.05 08:27

Oft verdienen wir wohl die Regierung, die wir gewählt haben. Die Regierung (gleich welche) fällt ja nicht vom Himmel. Politiker wollen gewählt werden, also sagen sie uns das, was wir hören wollen (und viel zu oft wollen wir nur hören, dass alles besser wird). Oder wir springen auf den Zug von Schreckenszenarien. Das ist bequem. Politiker sind meistens :-) nicht dumm, sie sagen das, womit sie gewählt werden. In Abwandlung des Zitats von Louis XIV "L'etat c'est moi!" (Der Staat bin ich) sage ich "L'etat ce sont nous!" (Der Staat sind wir). Also liegt es an uns, das zu sagen und zu tun, an dem die Politiker erkennen, was wir wollen. Und manche von uns werden dadurch zu Politikern :-)

Frank am 10.09.05 11:04

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