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Bürger-Weblog - Archiv vom 13.09.05

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Dienstag, 13.09.2005

Bild von Uwe Richert, Rechte: WDR

Kleineres Übel

Es geht wahrlich nicht um Sympathie, es geht nicht um tolle Programme, einzig allein geht es darum, zu wählen, was für einen selbst das Beste ist. Es scheint legitim abzuwägen, wie die Postitionen der Parteien zum Thema Kündigungsschutz, Pendlerpauschale, Mehrwertsteuererhöhung, Hartz IV, Subventionen... sind. Es wird abgewogen, das kleinere Übel zu wählen.

Jeder Wähler weiß um die Macht des Wahlkreuzes. Wenig Wähler lassen sich dabei von irgendwelchen Rachegelüsten leiten. Die Vergangenheit ist nicht mehr ganz so gegenwärtig, jetzt wird für die Zukunft gewählt. Doch sind nicht Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit verknüpft? Ist mein Wohl nicht mit dem der Menschen in Deutschland und sicher sogar noch weiter verknüpft? Dass viele Menschen nur an sich denken, hat sicher dazu beigetragen, dass Deutschland am 18. September wählen muss. Dass Deutschlands Arbeitslosigkeit und Schuldenlast so hoch sind. Dass viele Wirtschaftsbosse ihr Geld in das Ausland transferieren oder damit an der Börse spekulieren.

Jeder denkt an seinen Vorteil, an seinen Gewinn. Wie hieß es doch in dem amerikanischen Kinofilm "A beautiful mind": Der Einzelne kann nur erfolgreich sein, wenn er auch den Erfolg der Anderen sieht. Das ist eine allgemeingültige einfache Regel, die alle Menschen beachten sollten.

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Kommentare zum Eintrag Kleineres Übel

"Der Einzelne kann nur erfolgreich sein, wenn er auch den Erfolg der Anderen sieht. Das ist eine allgemeingültige einfache Regel, die alle Menschen beachten sollten." Sie scheinen ja in einer angenehmen Gesellschaftsform zu leben. Schöne Grüsse aus der Realität des Kapitalismus!

Béla am 18.09.05 14:39

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Bild von Christian Meyer, Rechte: WDR

Muppetshow zum Wahlkampfshowdown

Gestern Abend haben sich die Spitzenkandidaten der Big5 nun doch zu einem erweiterten TV Duell getroffen und wollten nochmal ihre Positionen an die Frau und den Mann bringen. Nachdem es am Anfang noch recht diszipliniert und staatsmännisch zuging, bekam die Sendung im Verlauf immer mehr den Charakter einer großen Spaßveranstaltung.

Szene aus der Sendung (Rechte: AP)

Es wurde dazwischengeredet, sich das Wort erkämpft und die Moderatoren übertönt. Während Schröder auf seine Erfolge und Taten verwies, hatte Frau Merkel nichts besseres zu tun, als die gleichen Wahlkampfphrasen zu wiederholen, die schon im ersten TV-Duell. Für die Zuschauer wäre es interessanter gewesen, wenn mal über das "wie" anstatt das "was" geredet worden wäre.

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Kommentare zum Eintrag Muppetshow zum Wahlkampfshowdown

Das ist interessant - ich denke auch manchmal, dass eine Große Koalition vielleicht nicht nur schlecht ist. Aber sowohl Poltik als auch Medien reden darüber, als ob sie Teufelswerk sei. Schön zu lesen, dass auch andere Leute (Bürger!!) in ihrer Einschätzung nicht so eingefahren sind.

repräsentant am 13.09.05 10:47

Mich haben nicht Frau Merkels (angebliche) "Phrasen" gestört, sondern das schier ätzende Eigenlob des Kanzlers! Der Mann ist in seiner Selbstbeweihräucherung einfach nur noch penetrant peinlich -und die meisten Wähler werden ihn hoffentlich dafür und für seine (von ihm stets nur schöngeredete) verfehlte Politik abstrafen. Dessen bin ich sicher!

Mag am 13.09.05 11:16

Doch, ich finde, dass Merkel sich den ganzen Wahlkampf über in Phrasen übt. Der Kanzler ist eh Geschichte, daher ist es umso wichtiger, mal was Konkretes aus dem Munde der wahrscheinlichen Nachfolgerin zu hören. Aber da kommt sehr sehr wenig. Schade... Man weiß nicht, was das bedeutet: Gibt es nichts KOnkretes (oh je), oder ist das Konkrete zu furchtbar, dass es jetzt unbedingt verheimlicht werden muss (noch mehr oh je!!)

repräsentant am 13.09.05 11:29

Ich gehe mal davon aus, daß ALLE "Politiker" dieser Welt nur einen ganz beschränkten Spielraum für ihre "Politik" haben. Keiner von ihnen darf die herrschende (kapitalistische) Ordnung stören - nachzulesen im Grundgesetz: Das Eigentum ist heilig. Insofern ist es nicht verwunderlich, daß ALLE etablierten "Volks-" Parteien nichts weiter fertigbringen, als von unten nach oben umzuverteilen und jede Idee anderer Provenienz als "extrem", "doktrinär" oder gar "totalitär" abzutun. Mir persönlich ist es völlig schnuppe, welcher dieser Kaspars bei der "Wahl" sein Schäflein ins Trockene bringen wird. Jeder von Ihnen lebt wie der letzte Schmarotzer auf meine Kosten. Keiner von ihnen ist zu wirklichen Verbesserungen in der Lage. Der Kapitalismus ist dabei, sich mithilfe seiner eminenten Arbeitsproduktivität selbst auszurotten. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Bis es die Ärmsten einfach nicht mehr aushalten können; dann wird es knallen, und all die SchröderStoiberMerkels mitsamt ihren schwulen Gesinnungsgenossen sind fort. Dann gehe ich auch wieder wählen.

eisenhut am 13.09.05 16:55

Die Einzige die konkret wurde war doch Frau Merkel. Sie versuchte zu erläutern, was sie vorhat. Der Kanzler verliert kein Wort darüber was er vor hat, sondern verweist auf eine angeblich erfolgreiche Ära. Und in jeden zweiten Satz wurde "unsozial" und "soziales Gleichgewicht der Gesellschaft" gepackt, egal was gefragt wurde. Die Kampagne der SPD beruht derzeit nur darauf, die andere Seite in destruktiver Form anzuprangern. Das ist zu wenig und zu einfach(auch wenn es anscheinend Erfolg hat).
Ein eigenes Konzept gibt es nicht, da es in der Partei keine einheitliche Meinung gibt. Deshalb gibt es ja auch zum jetzigen Zeitpunkt Neuwahlen. Sollte die gleiche Konstallation weiter regieren, ist das Problem nicht beseitigt.
Dann wird es in spätestens 2 Jahren wieder Neuwahlen geben. Und alle jammern wieder über die schlechten Verhältnisse in Deutschland.

jos am 13.09.05 17:06

Ja, die Muppetshow scheint in der Politik gefragt zu sein! Denn Trittin hat vergangenen Samstag während einer Berliner Wahlkampfveranstaltung folgendes Bild bemüht:
Oskar Lafontaine solle zukünftig im Bundestag nicht wie in der Muppetshow sitzen und nur "rummobbern".

Lupita Gómez am 15.09.05 00:32

Derzeit stellt sich doch in unser allen Köpfen die Frage nach dem besseren Showdown der zur Wahl stehenden Spitzenopolitiker, als die jedoch um Quantensprünge entscheidendere Frage nach Lösungsstrategien, welche die einzelnen Parteien nach einen eventuellen Wahlsieg in Erwägung ziehen könnten. Unterstützt und dadurch im freien Entscheidungswillen um die wirklich wichtigen und ausschlaggebenden Programmatiken entmündigt, werden die Bürger dieses Landes durch die großangelegten Medienereignisse in den letzten Tagen. Gut ist was gut ankommt, bzw. gut ausschaut und argumentiert, bloß kann das denn schon alles sein - zählen wirklich nur noch shows und medienrummel, sollte man sich nicht selbst mal fragen was stattdessen angebrachter gewesen wäre. Anstatt zig Millionen in die Öffentlichkeitsarbeit der Parteien zu Investieren (um den Wahlkampf für sich zu entscheiden) sollte man doch eher in die Konzeptentwicklung intelligenter und schlüssige (plausibler) Ideen investieren. Trotz alledem empfinde ich dies als ein doch sehr amüsantes theatrealisches Meisterwerk, welches man auf Kosten der Steuerzahler geboten bekommt. Es sorgt für eine Menge Stammtischgespräche und gute Laune, welche einen normalerweise angesichts der derzeitigen Lage schon einmal vergehen könnte. Ich komme aus dem Osten der Republik und bin schon jetzt auf das baldige Ergebnis der Wahl gespannt. Doch bin ich mir einer Sache relativ Sicher - den Karren aus der Scheisse ziehen, das vermag keiner der angetretenen Politiker. Toll finde ich die verstänlichen Reden von Herrn Gregor Gysi. Es ist einer der Wenigen Politiker, welche den Draht zum normalen Bürger gefunden haben. Mit viel Fingerspitzengefühl argumentiert er sicher und selbstbewusst, so dass auch die ü50 Generation weiss um was es geht. Was nutzen uns Zahlen und Fakten, welche derartig tief ins Detail gehen, dass kein ... weiss etwas mit Ihnen anzufangen. Klare Wegen sollten aufgezeigt werden, in einer Gesellschaft, welche Kinder- und Familienfeindlich ist (ich errinnere an die Aussage - mehr Felxibilität in der Arbeit - hallo ihr vielen Pendler, wie geht es euren Familien). Man soll den Menschen in diesen Lande keine falschen Illusionen machen. Weder kann man bei einer solchen Wirtschaftsform (Effektivität, Effizienz) bzw. in einer derartigen Gesellschaft (Ellenbogengesellschaft) welche durch fortlaufenden Automatisierung und Fortschritt bzw. Neid und Missgunst gekennzeichnet ist keine Arbeitsplätze von Heute auf Morgen schaffen. Sämtliche Werte sind Verschwunden, es zählt nur noch das Geld oder deine Gesellschaftliche Stellung. - Na dann mal viel Spass Ihr aber Millionen AL. Eine neue Wertediskussion sollte geführt werden. Neue Richtungen aufgezeigt werden und der Gesamteuropäische Gedanke gefestigt werden. Das fusionieren zu Riesenkonzernen unterbunden werden, dies ist ein betriebswirtschaftliches Verfahren, welches auf Selbstzerstörung ausgerichtet ist, da dies den gesunden Wettbewerb zerstört, welcher normalerweise für Arbeitsplätze zu sorgen hat. Und immer den Blick nach vor halten, der Chinese schläft nicht sondern wächst zu einer derartig riesigen Macht heran, welche weden von Europa noch von Amerika zu stoppen ist. Nun hab ich derartig viel geschrieben, hoffentlich gibt es ein paar interessierte Leser. Die Thematik dieses Blog Themas lautete zwar etwas anders alsdie von mir verfassten Ausführungen, aber ich hoffe das tut nicht viel zur Sache. Ich gehöre halt auch nur zu den 50% der Deutschen die von Zukunftsängsten geplagt werden. Die anderen 50% sind nur zu Feige dies zuzugeben. Einen schönen Tag der Bogergemeinde. mfg koschka

koschka am 15.09.05 03:35

letztendlich werden wir armen immer weniger geld in der tasche haben und die reichen kaufen sich die nächste villa.egal was wir wählen.was interessiert mich mein geschwätz von gestern(ist doch eigentlich ein ehrlicher wahlspruch)
ich werde wählen gehen.

joe am 15.09.05 11:45

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Bild von Frank Hamm, Rechte: WDR

Mein Wähler-Dilemma

Eigentlich wollte ich über mein Wähler-Dilemma schreiben. Darüber, dass früher alles einfacher und schwarz oder weiß war. Alles war klar, die Roten waren rot, die Schwarzen waren schwarz...

Ich wollte darüber schreiben, dass für mich inzwischen mal die eine und mal die andere Partei richtiger auf Anforderungen reagiert. Dass ich jetzt vielen unterschiedlichen Parteien Recht gebe. Und dass ich mir gerne die Rosinen rauspicken würde. Beispielsweise den schlankeren Staat mit einem einfachen Steuerrecht, die Sicherheit für die Arbeitnehmer und die bessere Umweltpolitik etc. Dass der "dynamische Gerd" vielleicht noch etwas dynamischer bei den Reformen sein könnte. Und dass mir die Wahl noch nie so schwer fiel.

Und dann das:

Eigentlich ist es schade, dass man sich bei der Wahl nicht für ein »Best-Of-Konzept« entscheiden kann: Die kreativsten Ideen unserer Politiker in einem Strategie-Sampler zusammengefasst.

Screenshot von der Seite (Rechte: praegnanz.de)

Ein anderer war schneller, besser und mit Fotomontage. Gerrit van Aaken von praegnanz.de wäre so gerne der WWW: Patchwork-Wähler.

Ich auch. Prägnant beschreibt er mein persönliches Wähler-Dilemma. Bleibt noch ein Wunsch. Politiker sollten öfters mal freudestrahlend vor die Bürger treten und verkünden: "Die Anderen waren schneller und besser. Sie haben Recht. Wir unterstützen diesen Punkt ohne Einschränkung." Ach was?! Sagte ich da tatsächlich "öfters"?

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Kommentare zum Eintrag Mein Wähler-Dilemma

"...wäre so gerne der Patchwork-Wähler. ..." Ich ehrlich gesagt auch. Picke ich mir mal "die Rosinen" (wie Sie sie nennen) aus den Kurchen der einzelnen Parteien raus, bliebe in etwa Folgendes übrig: -der Sozialauf- statt Abbau der Linkspartei (f. m. B. am besten: 1.400 € Grundgehalt, 1.000 Existenzsicherung/Sozialhilfe für jeden, kostenlose Krankenversicherung für Arme) und ihr Pazifismus (was aber seltsam anmutet, wenn das so viele ex-NVA-Generale drin sind) -der Atomausstieg der Grünen (an den diese sich leider selber nicht gehalten haben) und ihre (leider nur scheinbare) Haltung gegen Gentech! -die Einstellung der FDP gegen einen Überwachungsstaat und gegen eine höhere Mehrwertsteuer -das christliche und eben qua Name und Selbstverständnis auch soziale Programm der CSU, ihre und ihrer Schwesterpartei Haltung eben nicht nur gegen den Rechts-, sondern gegen Linksextremismus in gleicher Weise! Ihre Ablehnung eines Beitritts der Türkei zur EU, ihr Einsatz für die Opfer von Mädchenhandel bzw. von Zwangsprostitution; ihre Position generell gegen Sitten- und Werteverfall, gegen Abtreibung, für den Schutz des ungeborenen Lebens usw. Eine Mischung aus alledem wäre ideal. :-)

Mag am 13.09.05 11:28

Lieber Frank, mir wäre die ideale Mannschaft lieber - und ich hätte ein paar Ideen im Kopf, jetzt da ich durch diesen Wahlkampf Gelegenheit hatte real oder virtuell einige Politiker mir genauer anzusehen.

Lupita Gómez am 15.09.05 00:42

Liebe Lupita, noch habe ich einiges aufzuholen - aber ich arbeite dran :-)

Frank Hamm am 15.09.05 11:07

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