... oder: Wie objektiv sind unsere Medien?
Das ließ mich aufhören: "Bei einem Redaktionsgespräch im vergangenen Jahr haben mir einige Redakteure ganz unverblümt erklärt, dass sie darauf aus seien, die aktuelle Regierung 'wegzuschreiben' und dass ich als Sympathieträgerin von Rot-Grün ihnen dabei im Wege stehe. Deswegen werde man, obwohl ich ja klug und sympathisch sei, nicht positiv über mich berichten."
Soweit Gesine Schwan, die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder in ihrer
Rede zum 60-jährigen Bestehen der "Frankfurter Rundschau". "Eine Regierung wegschreiben" - ein gewisser Aha-Effekt setzt bei mir ein und damit auch mein "Mittellangzeit"-Bild-Gedächtnis...
22. Mai - Schröder überrascht die Nation mit seinem Aufruf zu Neuwahlen.
In den folgenden Tagen: Angela Merkel wird so fotogen wie noch nie zuvor abgebildet. Siegerlächeln von links, Siegerlächeln von rechts. Zerknirscht dagegen der Amtsinhaber. Die mediale Euphorie um die CDU-Chefin ist sichtbar und greifbar - sie soll auch den Wähler erfassen. Die Header einzelner Medien wie
Spiegel Online oder
N24 versinnbildlichen das bis heute.
04. September - Merkel vs. Schröder.
Bald nach dem TV-Duell wird Schröder zum Sieger erklärt, die Mehrheit der Tagespresse schließt sich dieser Meinung an. Merkel, die während des Duells keine schlechte Figur machte, wird unvorteilhaft abgebildet, gegen "charming" Schröder kommt sie optisch nicht an. Bilder wirken unbewusst, aber sie werden NICHT unbewusst eingesetzt. Je nach medialer Stimmungslage gibt es auch im optischen Bereich einen Wandel.
Die Wirkung von Bildern ist gut nachzuvollziehen auf der Website
charisma kurve. Wöchentlich gibt es hier eine Umfrage zu einer Bilderstrecke Angela Merkel - Gerhard Schröder. Das
Archiv gestattet zudem einen Vergleich über einen längeren Zeitraum.
Jan Winkelmann am 08.09.05 12:38
Lupita am 08.09.05 21:23
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