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Bürger-Weblog - Die Macht der Bilder

Dienstag, 06.09.2005

Bild von Lupita Gómez, Rechte: WDR

Die Macht der Bilder

... oder: Wie objektiv sind unsere Medien?

Das ließ mich aufhören: "Bei einem Redaktionsgespräch im vergangenen Jahr haben mir einige Redakteure ganz unverblümt erklärt, dass sie darauf aus seien, die aktuelle Regierung 'wegzuschreiben' und dass ich als Sympathieträgerin von Rot-Grün ihnen dabei im Wege stehe. Deswegen werde man, obwohl ich ja klug und sympathisch sei, nicht positiv über mich berichten."

Abstrakte Darstellung von Merkel und Schröder in Sieger-Pose (Rechte: Gomez)Soweit Gesine Schwan, die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder in ihrer WWW: Rede zum 60-jährigen Bestehen der "Frankfurter Rundschau". "Eine Regierung wegschreiben" - ein gewisser Aha-Effekt setzt bei mir ein und damit auch mein "Mittellangzeit"-Bild-Gedächtnis...

22. Mai - Schröder überrascht die Nation mit seinem Aufruf zu Neuwahlen.

In den folgenden Tagen: Angela Merkel wird so fotogen wie noch nie zuvor abgebildet. Siegerlächeln von links, Siegerlächeln von rechts. Zerknirscht dagegen der Amtsinhaber. Die mediale Euphorie um die CDU-Chefin ist sichtbar und greifbar - sie soll auch den Wähler erfassen. Die Header einzelner Medien wie WWW: Spiegel Online oder WWW: N24 versinnbildlichen das bis heute.

04. September - Merkel vs. Schröder.

Bald nach dem TV-Duell wird Schröder zum Sieger erklärt, die Mehrheit der Tagespresse schließt sich dieser Meinung an. Merkel, die während des Duells keine schlechte Figur machte, wird unvorteilhaft abgebildet, gegen "charming" Schröder kommt sie optisch nicht an. Bilder wirken unbewusst, aber sie werden NICHT unbewusst eingesetzt. Je nach medialer Stimmungslage gibt es auch im optischen Bereich einen Wandel.

Die Wirkung von Bildern ist gut nachzuvollziehen auf der Website WWW: charisma kurve. Wöchentlich gibt es hier eine Umfrage zu einer Bilderstrecke Angela Merkel - Gerhard Schröder. Das WWW: Archiv gestattet zudem einen Vergleich über einen längeren Zeitraum.

Weitere Verweise zu Die Macht der Bilder

Kommentare zum Eintrag Die Macht der Bilder

Ich komme um das Gefühl nicht herum, dass eben dieses Wegschreiben in den Medien tatsächlich angesagt ist. Die Reaktionen auf das Fernsehduell sind dabei bezeichnend. Da wird Merkel nur deswegen zur Siegerin erklärt weil sie nicht bodenlos versagt hat (was ich von einer Kanzlerkandidatin auch nicht erwartet hätte). Im gleichen Atemzug stellen die Zeitungen eigentlich regelmäßig fest, dass die CDU keine Patentlösungen hat, sehr wenig klare Aussagen trifft (was insbesondere für eine Opposition schwach ist)aber dies immer noch besser sei als Rot-Grün. Dieses Projekt sei nämlich gescheitert. Kurz um: Die CDU ist deshalb die bessere Wahl weil sie womöglich auch nicht schlechter als die SPD ist. Eigentümliche Logik.

Jan Winkelmann am 08.09.05 12:38

Sehr geehrter Herr Winkelmann,
ich habe der Presse vernommen, dass Gerhard Schröder zum Sieger "gekürt" wurde. Nichtsdestotrotz konnte ich heute einen Abgesang auf ihn lesen, z.B. in der Berliner Zeitung (Holger Schmale, 08.09.05): "Es ist der Moment, in dem Gerhard Schröder zum letzten Mal als Bundeskanzler zu einer Rede im Parlament anhebt."
Das, ehrlich gesagt, widerspricht für mich einer sachlichen Berichterstattung.

Lupita am 08.09.05 21:23

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