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Bürger-Weblog - Kämpfen bis 18.01 Uhr

Samstag, 17.09.2005

Bild von Lupita Gómez, Rechte: WDR

Kämpfen bis 18.01 Uhr

EINKAUFEN UND POLTIKER TREFFEN

Das Ergebnis dieser Wahl wird knapp, und deshalb kämpfen die Parteien bis zuletzt. Schröder gab am Freitag auf dem Berliner Gendarmenmarkt die Parole aus: Bis 18.01 Uhr um jede Stimme kämpfen. Andere Parteien kämpfen bis um 17.59 Uhr.

Übermaltes Merkel-Plakat (Rechte: Gómez)Samstag, ganz Berlin erledigt den Wocheneinkauf, und so begeben sich Parteien aller Couleur direkt vor Ort. Prenzlauer Berg - mittags, der bei Berlinern und Touristen beliebte Wochenmarkt am Kollwitzplatz. Am "Kolle" wohnt Wolfgang Thierse, trotzdem blicken viele erstaunt, als sie ihn zwischen den Marktständen Rosen und ein paar nette Worte verteilen sehen. Die Grünen haben sich im Babyboomer-Bezirk auf dem Spielplatz positioniert und verschenken Luftballons und Sonnenblumen. Die jungen Herren der FDP stehen vor Superspar. Und zumindest eine junge Familie aus München nimmt gern einen gelben Luftballon und ein Windrad (!) mit. Eine kleine Randbemerkung: Nicht jeder Supermarkt scheint für Wahlwerbung geeignet - Superspar, Kaisers und Lidl stehen in der Hitliste oben, aber Penny und Netto gelten wohl wahlwerbungstaktisch als Wüste.

Berlin - Alexanderplatz, momentan eine Riesenbaugrube, hier findet keine Wahlwerbung statt. Dafür radeln Brandenburger für die Tour de Tolerance, und eine schwarzgekleidete Gruppe läutet das Totenglöckchen auf die PDS-Bildungspolitik und deren initiierten Schulschließungen. Der Wochenmarkt im Touristenzentrum am Hackeschen Markt bietet wieder mehr Wahlwerbung: Am CDU-Stand gibt es neben einem "Trostpflaster" gegen Rot-Grün auch Steichhölzer des Direktkandidaten Volker Liepelt. Das ist natürlich sehr pikant, was auch der CDU-Wahlhelfer zugibt.

Denn Liepelt hat sich unmittelbar nach einer schweren Brandstiftung in Berlin-Moabit durch ein Pressefax den öffentlichen und parteiinternen Unmut zugezogen. Nach zwei heißen Tagen kehrte aber wieder Ruhe in Liepelts Wahlbüro ein.

Auch die Grünen-Politiker Wolfgang Wieland und Reinhard Bütikofer halten Ausschau nach interessiertem Wählervolk. Frage an den Direktkandidaten Wieland: Warum gibt es in letzter Zeit gehäuft Grünen-Veranstaltungen im Flughafen Tempelhof? Wieland: Da sich die Grünen für eine Schließung des dritten Berliner Flughafen einsetzen, wollen sie damit zeigen, wie die Zukunft dieses Ortes aussehen kann.

Überschriebenes Schröder-Plakat (Rechte: Gómez)

Weiter geht es auf meiner Wahl-Tour. Über Straßen, die mit weggeworfener Parteienwerbung zugemüllt sind; vorbei am unendlichen Wahlplakat-Dschungel: In den letzten Tagen haben die Transformationen deutlich zugenommen. Ein aufgeklebtes Grinsen, ein Fasnachthütchen oder Zorros Maske lassen schmunzeln. Etliche Großplakate dagegen sind zerstört oder bis zur Unkenntlichkeit verändert. Ich merke, dass ich mich auf die Zeit nach der Wahl freue, endlich wieder weg von dieser massiven Reizüberflutung. Und noch ein Gedanke überfällt mich, als ich gegen 16 Uhr das Luftballonmeer am "Kolle" sehe: Die Hersteller von diesen Werbeartikeln dürften im Gegensatz zu manchem Wähler eine wahre Freude an dieser Wahl haben.

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