...oder: Dieser Wahlkampf hat es in sich
Heute Mittag lese ich, aber traue meinen Augen nicht: "Ergebnis der Bundestagswahl verzögert sich" (bei web.de). Nicht, dass ich auf einen Wechsel hinfieber, nein, im Gegenteil, ich würde es ein Zittern nennen, aber nun über einen längeren Zeitraum nicht zu wissen, wer das Land regiert, im ersten Moment eine unerträgliche Vorstellung.
Am Spätnachmittag will mein Verstand nicht begreifen, was ich Schwarz auf Weiß vor mir sehe: "Die Wirtschaftslobby lotet aus, wie wichtig dem Volk die Umwelt noch ist. Die Wahl wird es zeigen" (Jörg Michel in Berliner Zeitung 08.09.2005).
Der Autor sieht es als Testballon an: Das vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag am Vortag beschlossene Papier zum "
Strategiewechsel in der Umweltpolitik", adressiert an die zukünftige Bundesregierung. Schon Mitte August probte der Bundesverband der Deutschen Industrie die Kyoto-Rebellion (Saar-Echo 17.08.2005). In Zeiten von Klimawandel, Katrina und 'weg vom Öl' soll sich Deutschland wegbewegen von erreichten Umweltstandards? "Vorfahrt für Arbeit" - und wir machen alles platt? Ich zähle eins und eins zusammen und erkenne die Zeichen der Zeit: Bush hat sich für Japan noch nie interessiert und für Kyoto erst recht nicht. Unsere CDU weiß, was angesagt ist und verkündet den Ausstieg aus dem Atomausstieg. Und unsere Wirtschaft sieht ihre Zeit gekommen und stellt Forderungen.
Am Abend lädt der Berliner Kurier unter dem Motto "Der von hier" zum Gespräch mit Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD). Die gut 30-minütigen, einleitenden Worte von Thierse wiederholen Bekanntes. Bewegung kommt in die Veranstaltung, als ein Mann aus der gut überschaubaren Zuhörerschaft leidenschaftlich das Wort ergreift: Tagelang habe er sich vorbereitet, um hier öffentlich Bilanz für sich und seine Familie zu ziehen. 1998 den Wechsel gewählt, würde er heute, sofern es möglich wäre, vom Rückgaberecht Gebrauch machen, denn der Lebensstandard seiner Familie habe sich drastisch gesenkt. Hartz IV sei für ihn eine Menschenrechtsverletzung 1. Klasse. Entsprechender Beifall zeigt, dass etliche Menschen gekommen sind, um ihren Unmut über die jetztige Regierung kundzutun. Schade nur, dass ein Nachhaken in solchen Runden nicht möglich ist, ein Austausch darüber, wo z.B. der enttäuschte Wähler im Jahr 2005 seine beiden Stimmen am besten aufgehoben sieht.
Mehr zum Thema Umwelt:
-
Die Thesen des früheren CDU-Umweltministers Klaus Töpfer
-
FDP-Kritik an Bundesumweltminister Jürgen Trittin
Mag am 10.09.05 11:58
Zum Anfang dieses Eintrags
Zum SeitenanfangPermanente URL dieser Seite: http://www.buergerblog.de/archives/2005/09/resuemee_eines.html